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Zwei Wochen Clubhouse

Zwei Wochen Clubhouse – ein Erfahrungsbericht 

Von FoMO, Hype und Fake-Experten 

Wer sich in den vergangenen Wochen auf LinkedIn oder Instagram bewegte, kam an dem Hype nicht vorbei: Die App Clubhouse ist scheinbar über Nacht von Null auf Hundert aus dem Boden geschossen. Jeder hat darüber geredet, jeder wollte sofort mitmachen – Ich habe mich umgeschaut und ziehe nun zwei Wochen später ein Zwischenfazit. 

Clubhouse ist exklusiv – und alle wollen mitmachen  

Es ist eine alte Verkaufsstrategie: Die künstliche Verknappung. Mit diesem Trick arbeitet auch Clubhouse, denn der Zugang zur App ist nur mit einem Einladungslink möglich, von denen jeder User nur zwei zur Verfügung hat. Das Ergebnis: Jeder wollte dabei sein. Befeuert wurde der Hype durch die Social Media Expertin Ann-Katrin Schmitz, die Clubhouse auf Instagram als DIE App für 2021 bezeichnet. Während zwischendurch Einladungslinks auf Ebay-Kleinanzeigen für Summen im dreistelligen Bereich gehandelt wurden und Influencer sie auf Instagram verlosten, entschied ich mich für eine Tugend: Trotz FoMO („Fear of Missing Out“, ein typisches Problem der Generationen Z und Y) geduldig zu bleiben. Das Vorgehen wurde belohnt, Sonntagabend vor zwei Wochen war ich dann auch endlich am Start bei Clubhouse.  

Überangebot und das Problem mit der Bildschirmzeit  

Es war wirklich beeindruckend. In Woche 1 von Clubhouse fanden in meiner – durch Angabe von Interessen und dem Folgen von Personen selbst festgelegten – Filterbubble Talks rund um die Uhr statt. Viele Räume mit Talks wurden zur gleichen Zeit angesetzt – beinahe hatte ich Probleme mich für einen zu entscheiden. Das Ergebnis: Meine Bildschirmzeit raste schnell nach oben, denn ich konnte theoretisch ununterbrochen online sein und zuhören. Obwohl man eigentlich dabei ist, hat man das Gefühl, überall doch noch etwas in einem anderen Raum verpassen zu können. Trotzdem: Endlich hatte ich in Zeiten des Lockdowns auf einmal wieder viele soziale Kontakte, der Fernseher konnte ausbleiben und die Langeweile verschwand.  

Verfliegt die Euphorie? 

Der anfängliche Mega-Hype ließ bei mir nach gut zwei Wochen dann doch irgendwie nach. Die Räume zu den ständig selben Themen schienen weniger interessant und jeder vermeintliche Experte hat scheinbar gesagt, was er zu sagen hatte

Und dennoch: Die letzten zwei Wochen haben sich wie ein 24/7-Online-Workshop angefühlt, aus dem ich tatsächlich Wissen mitnehmen und interessante Kontakte knüpfen konnte. Mittlerweile habe ich an Clubhouse eine andere Seite entdeckt, die mich aus meiner „Influencer-Marketing-und-digitales-Business-Bubble“ entfliehen ließ. So nutze ich Clubhouse nun lieber für private Themen und besuche Rooms meines Buch-Clubs, um den neusten Tratsch und Klatsch aus der Welt der VIPs aufzuschnappen. Vielleicht werde ich ja sogar einen eigenen Raum eröffnen – wer weiß. 🙂

Probieren geht über Studieren  

Mein Fazit: Ich liebe und lebe Social Media. Natürlich bin ich darum von jedem neuen Netzwerk zunächst einmal begeistert. Bei Clubhouse war und ist das nicht anders. Natürlich wissen auch wir um die Kritik zu Clubhouse. Im Mittelpunkt steht der Datenschutz. Außerdem unklar ist bisher, wie genau sich das Netzwerk finanziert. Ebenfalls ein Problem: Hate-Speech, Räume zu rassistischen und sexistischen Themen. Was das für die App und ihre Zukunft in Deutschland bedeutet, bleibt abzuwarten. Meine Empfehlung lautet darum, wie auch zu meiner Lieblingsapp TikTok: Ausprobieren und mitmachen, um sich ein eigenes Urteil bilden zu können. Ich jedenfalls werde von Zeit zu Zeit immer wieder gerne in einen Room reinhören. Have fun!  

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